Im Gespräch mit: Walter Festl, Energie Südbayern GmbH

Interview mit Walter Festl, Key Account Manager bei einem der größten Stromanbieter in Südbayern

Das Unternehmen Energie Südbayern besteht seit mehr als über 50 Jahren und ist ein fairer, sicherer und persönlicher überregional agierender Energielieferant mit Sitz in München. ESB ist der größte Gasverteilnetzbetreiber in Südbayern. Durch ihren leistungsfähigen Service, sowie flexible Energieprodukte und eminentes Marktwissen rund um Erdgas, Ökostrom und Wärme hat die ESB sich einen Namen gemacht.

Am 08.01.2021 standen wir kurz vor einem Blackout, der nahezu das gesamte europäische Stromnetzwerk lahmgelegt hätte. Das schlimmste konnte zum Glück verhindert werden, doch einige Fragen bleiben bestehen: Was waren die Auslöser für diesen Zwischenfall und… kann es erneut zu einem solchen Ausfall kommen?
Die Antworten dazu liefert Walter Festl, Key Account Manager für Individualkunden bei der Energie Südbayern GmbH in den Bereichen Gas, Strom, Elektromobilität und Dienstleistungen.

Lieber Herr Festl, im Januar wäre es fast zu einem europaweiten Blackout gekommen. Was muss man sich eigentlich genau unter einem Blackout vorstellen?

Einen längeren Stromausfall, der weite Regionen umfasst und damit viele Menschen und Unternehmen betrifft. Ein teilweiser Blackout auf europäischer Ebene, wie er zum Beispiel durch die Abschaltung einer Hochspannungsleitung über die Ems (Energiemanagementsystem) im November 2006 ausgelöst wurde, ist zum Glück sehr selten. Damit bleiben uns Szenarien, wie sie im Roman „Blackout“ von Marc Elsberg realistisch geschildert werden, erspart.

Wie hat Energie Südbayern über den drohenden Blackout Kenntnis erhalten? Gibt es Anzeichen, durch die sich solcher Vorfall im Vorfeld ankündigt?

Die Verantwortung über das Stromnetz liegt bei den Stromnetzbetreibern – und damit nicht bei uns als Lieferant. Daher kann ich hier nur so weit Auskunft geben, wie wir es als Nutzer der Stromnetze beurteilen können. Aber vielleicht so viel: Leider liegt es im Wesen eines Blackouts, dass dann alles sehr schnell geht. Hier vergehen nur wenige Sekunden oder Minuten, bis alles „dunkel“ ist. Daher hat sich die Gefahr für die Netzbetreiber höchstwahrscheinlich nicht angekündigt.

Walter Festl, ESB

Wie aber genau kam es ursprünglich dazu und ist es wahrscheinlich, dass Verbraucher auch zukünftig mit Zwischenfällen dieser Art rechnen müssen?

Vorweg: Aus der Presse war nur wenig zu diesem Zwischenfall am 08.01.2021 zu entnehmen. Auslöser der Störung war danach der Ausfall eines einzelnen Kuppelschalters in einem kroatischen Umspannwerk. Als Folge haben sich mehrere Höchstspannungs­leitungen wegen Überlastung vom Netz getrennt, dies hat in einer Kettenreaktion zu einer Zweiteilung des europäischen Netzes geführt. Glücklicherweise haben die automatischen Sicherheitsvorkehrungen gegriffen. In Frankreich mussten zwar einige Großverbraucher mit speziellen Abschaltvereinbarungen kurzfristig vom Netz genommen werden. In Deutschland haben wir aber keine Auswirkungen gespürt. Es zeigt aber, dass ein kleiner Zwischenfall das gesamte europäische Stromnetz lahmlegen kann.

Zum zweiten Teil Ihrer Frage: Ein klares Ja.

Aus welchem Grund?

Grundsätzlich gilt: Je fragiler das Zusammenspiel zwischen Stromerzeugung und Verbrauch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass das komplexe System irgendwann einmal aussetzt. Vielleicht ein Beispiel zur Erläuterung: Früher wurden dort (fossile) Kraftwerke gebaut, wo ein hoher Leistungsbedarf für die Industrie bestand. Damit waren nur wenige, fast immer redundante Anlagen zum Stromtransport notwendig.

Heute werden große Windkraftanlagen offshore in der Nord- und Ostsee gebaut. Damit sind lange Verbindungstrassen zu den Verbrauchsschwerpunkten z.B. in Süddeutschland notwendig. Den Stromfluss richtig zu steuern, erfordert schon heute viele Eingriffe von den Übertragungsnetzbetreibern. Mit der Energiewende und dem Kernenergie- und Kohleausstieg in Deutschland werden unsere „sicheren“ Stromerzeugungskapazitäten in den nächsten Jahren weiter abnehmen. Wir verlagern damit auch Verantwortung ins europäische Ausland. Dies ist sicher sinnvoll und auch wirtschaftlich, solange ausreichend Sicherheiten (Kraftwerksreserven) vorhanden sind. Aber trotzdem habe ich dabei kein gutes Gefühl.

Welche Empfehlungen haben Sie, wie man sich als Unternehmen und Leistungsnehmer präventiv davor schützen kann?

Man sollte als Unternehmen eine Risikoanalyse durchführen, für welche Prozesse eine ständige Stromversorgung unerlässlich ist. In erster Linie wird man hier elektronische Daten und Anwendungen schützen. Zum Glück verbreiten sich immer mehr Batteriespeicher. Ganze Produktionslinien auf eine unterbrechungsfreie/Not-Stromversorgung umzustellen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar und auch nicht notwendig. Aber kein Unternehmen sollte sich vollständig darauf verlassen, dass Strom immer und jederzeit vorhanden ist.

 

„Hier noch eine Anmerkung an die Kunden der EMC HostCo GmbH:

Als Kunde in einem Rechenzentrum haben Sie natürlich einen Sonderstatus: EMC hat dafür gesorgt, dass ein Stromausfall für Ihre Anlagen äußerst unwahrscheinlich ist. Mit den USV-Anlagen und den Notstromaggregaten haben Sie hier ein Maximum an Versorgungssicherheit. Insofern gelten meine Aussagen eher für Ihren privaten Haushalt.“

Die EMC HostCo GmbH ist seit Jahren Kunde von Energie Südbayern und bezieht seit 2012 TÜV zertifizierten Grünstrom. Gibt es unterschiedliche Arten bzw. Qualitäten von Grünstrom und wenn ja, woran erkennt man diesen?

Ja, es gibt unterschiedliche Arten: In erster Linie unterscheidet sich Grünstrom, mit welchen Anlagen, also zum Beispiel Wind-/Wasserkraftanlagen, Photovoltaik, wo er erzeugt wird, und wie die Anlagen beziehungsweise der Strom zertifiziert werden. Daneben gibt es noch spezielle Förderprojekte, die einen Aufpreis in der Stromrechnung in neue regenerative Stromerzeugungsanlagen investieren. Im Endeffekt ist es für den Endkunden nicht leicht zu beurteilen.

Wie steht Ihr Unternehmen zu der Aussage der Bundesregierung, dass wir bis zum Jahr 2050 in Deutschland komplett CO2 neutral werden sollen?

Ich denke, in unserem Unternehmen gibt es dazu verschiedene Meinungen. Ich persönlich meine, dass bis 2050 viel Zeit ist und noch viel passieren wird. Wir werden sicherlich deutliche Fortschritte in den Sektoren Wohnen und Verkehr machen. Aber eine vollständige CO2-Neutralität halte ich technisch und wirtschaftlich nicht für machbar. Gerade die letzten 10-20% sind sehr teuer und mühsam - denn wir müssen noch bezahlbare Strompreise haben.

In den vergangenen Jahren mussten wir unsere Kunden mit stark veränderten Energiepreisen, Umlagen und Steuern konfrontieren – wahrhaftig kein einfacher Punkt. Große Teile davon konnten wir zwar durch die Effizienzsteigerung unsere Anlagen abfedern, aber – Hand aufs Herz – wird uns die Energiewende in den kommenden Jahren weiterhin steigende Preise bescheren?


Wir haben in Deutschland aktuell die zweithöchsten Strompreise – nach Dänemark. Ein Großteil der Stromrechnung basiert auf staatlichen Abgaben. Hier eine Aussage über zukünftige Abgaben, Umlagen und Steuern zu machen, will ich mir nicht anmaßen.

Was den reinen, börsennotierten Energiepreis betrifft, werden wir in den nächsten Jahren sicherlich noch Preissteigerungen sehen. Allein die Angebotsverknappung durch den Kernenergie- und Kohleausstieg wird zu höheren Preisen führen müssen, weil regenerative Stromerzeugungsanlagen nicht in diesem Maß neu gebaut werden. Und dass wir insgesamt weniger Strom verbrauchen, dazu reicht mein Optimismus nicht ganz.

 

Vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Einblicke, Herr Festl.

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